Erziehung
Einen Welpen erziehen: Stubenreinheit, Beißen, Alleinsein und die Grundlagen
Ein gut erzogener Hund ist kein Hund, der blind gehorcht, sondern einer, der weiß, was von ihm erwartet wird, und sich bei seinen Menschen sicher fühlt. Die Grundlage dafür legen Sie in den ersten Monaten. Dieses Dossier fasst die wichtigsten Schritte zusammen, vom ersten Tag bis zur Pubertät.
Wie Hunde lernen
Hunde lernen vor allem durch Verknüpfungen: Verhalten, das etwas Angenehmes bringt, wiederholen sie. Deshalb wirkt Belohnung so gut. Eine Belohnung kann ein Leckerli sein, aber auch Spiel, Aufmerksamkeit oder die Gelegenheit zu schnüffeln. Was Sie belohnen, sehen Sie öfter.
- Timing: Belohnen Sie innerhalb von ein bis zwei Sekunden nach dem gewünschten Verhalten, sonst stellt Ihr Hund keine Verknüpfung her.
- Kurz und oft: Mehrere kurze Übungseinheiten am Tag wirken besser als eine lange Lektion.
- Klar: Verwenden Sie für dasselbe Verhalten immer dasselbe Wort und sprechen Sie die Regeln mit allen im Haushalt ab.
- Schritt für Schritt: Machen Sie eine Übung erst schwieriger, wenn sie in einer einfachen Situation gut klappt.
Von Strafen mit Schmerz, Schreck oder Einschüchterung, etwa Leinenruck, Schlagen oder Schreien, raten Tierärzte und Verhaltensexperten ab. Studien zeigen, dass solche Methoden Stress, Angst und Aggression verursachen und die Bindung zu Ihrem Hund schädigen können, während Belohnung mindestens ebenso wirksam ist.
Die ersten Tage
Geben Sie Ihrem Welpen einen ruhigen Start mit festem Schlafplatz, festen Zeiten für Fressen, Schlafen und Hinausgehen und nicht zu viel Besuch. Legen Sie Hausregeln fest, bevor er ankommt: Darf er aufs Sofa, wo schläft er, welche Räume sind tabu? Von Anfang an konsequent zu sein, ist viel einfacher, als Regeln später zu ändern.
Stubenreinheit
Ein Welpe hat eine kleine Blase und wenig Kontrolle. Helfen Sie ihm, indem Sie ihn oft nach draußen bringen, zu den Zeiten, in denen er muss:
- nach dem Schlafen und nach einem Nickerchen;
- nach dem Fressen und Trinken;
- nach dem Spielen oder nach Aufregung;
- und zusätzlich tagsüber etwa alle ein bis zwei Stunden.
Bringen Sie ihn an eine feste Stelle, warten Sie ruhig und belohnen Sie ihn sofort, wenn er sich löst. Ein Missgeschick drinnen bestrafen Sie nie: Das lehrt ihn nur, heimlich zu pinkeln. Wischen Sie es mit einem Reiniger auf, der Gerüche abbaut. Nachts muss ein junger Welpe oft noch einmal hinaus. Die meisten Welpen sind zwischen vier und sechs Monaten stubenrein, aber jeder Welpe hat sein eigenes Tempo.
Spielerisches Beißen
Welpen erkunden die Welt mit dem Maul und beißen im Spiel, auch in Hände und Kleidung. Das ist normales Verhalten, aber sie müssen lernen, wie sanft sie sein müssen.
- Unterbrechen Sie das Spiel kurz, wenn er zu fest beißt, und machen Sie weiter, wenn er ruhig ist.
- Bieten Sie ein Spielzeug oder einen Kauartikel zum Beißen an.
- Sorgen Sie für genug Ruhe: Ein übermüdeter Welpe beißt oft mehr.
- Bringen Sie Kindern bei, nicht zu rennen oder zu kreischen, wenn der Welpe beißt, und lassen Sie sie nie unbeaufsichtigt mit dem Welpen allein.
Alleinsein
Viele Verhaltensprobleme entstehen, weil ein Hund nie gelernt hat, ruhig allein zu sein. Beginnen Sie mit sehr kurzen Momenten, während Sie in einem anderen Raum sind, und steigern Sie langsam. Geben Sie beim Weggehen etwas zum Kauen oder ein Futterspiel und verzichten Sie auf einen großen Abschied oder eine überschwängliche Begrüßung. Heult, bellt oder zerstört Ihr Hund, wenn er allein ist, gehen Sie einen Schritt zurück und holen Sie bei anhaltenden Problemen Hilfe: Trennungsangst ist ein echtes Problem für das Wohlergehen des Hundes.
Grundübungen
- Name: Belohnen Sie Ihren Welpen, wenn er Sie ansieht, sobald Sie seinen Namen sagen.
- Hier: die wichtigste Übung; siehe unten.
- Sitz und Platz: praktisch, um in aufregenden Situationen Ruhe zu schaffen.
- Bleib: Steigern Sie Dauer und Abstand Schritt für Schritt.
- Aus oder Gib: Tauschen Sie einen Gegenstand gegen eine Belohnung, damit er lernt, dass Abgeben sich lohnt.
- An lockerer Leine gehen: Bleiben Sie stehen, wenn die Leine straff ist, und gehen Sie weiter, sobald sie wieder locker ist; belohnen Sie, wenn er neben Ihnen läuft.
Rückruf
Ein zuverlässiger Rückruf kann Ihrem Hund das Leben retten. Üben Sie zuerst im Haus und im Garten, dann draußen an einer Schleppleine. Belohnen Sie jedes Mal großzügig, wenn er kommt, auch wenn er sich etwas Zeit gelassen hat. Rufen Sie ihn nie für etwas Unangenehmes heran, etwa ein Bad oder das Ende eines schönen Spaziergangs, und rennen Sie ihm nicht hinterher: Dann wird es ein Spiel. Bei Jagd- und Windhunden braucht der Rückruf besondere Übung; Freilauf ist bei manchen Rassen nur in einem eingezäunten Bereich sicher.
Die Pubertät
Zwischen etwa sechs und achtzehn Monaten, bei großen Rassen manchmal länger, durchlaufen viele Hunde die Pubertät. Ein Hund, der als Welpe brav gehorcht hat, scheint plötzlich alles vergessen zu haben, ist abgelenkter oder unsicherer. Das ist normal. Bleiben Sie geduldig, halten Sie Übungen einfach und erfolgreich und sorgen Sie für genug Ruhe und Beschäftigung. Es geht vorbei.
Hundeschule und Hilfe
Ein Welpenkurs und weiterführendes Training sind wertvoll, besonders für Ersthundehalter. Wählen Sie eine Schule, die mit Belohnung arbeitet, in kleinen Gruppen, und in der Sie Ihrem Hund nie wehtun müssen. Hat Ihr Hund starke Angst, reagiert er heftig auf Menschen oder Hunde oder klappt das Alleinsein nicht, holen Sie sich Hilfe bei Ihrem Tierarzt und einem anerkannten Verhaltensexperten. Lesen Sie auch das Dossier Sozialisierung von Welpen.
Kurz gesagt
- Hunde lernen durch Belohnung: Belohnen Sie schnell, kurz und konsequent.
- Strafe mit Schmerz oder Schreck bewirkt das Gegenteil und schadet dem Wohlergehen.
- Helfen Sie Ihrem Welpen zur Stubenreinheit, indem Sie ihn zu den richtigen Zeiten hinausbringen.
- Bringen Sie ihm bei, behutsam mit seinen Zähnen umzugehen und ruhig allein zu bleiben.
- Üben Sie den Rückruf als wichtigste Sicherheitsübung.
- Bleiben Sie in der Pubertät geduldig und holen Sie bei Problemen rechtzeitig Hilfe.
Quellen
- Position Statement on Humane Dog Training (American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB))
- The effects of using aversive training methods in dogs: a review (Journal of Veterinary Behavior, 2017) (G. Ziv)