Verhalten
Shiba Inu
Shiba Inu: Charakter und Eigensinn dieses unabhängigen Japaners
Der Shiba Inu ist in den letzten Jahren enorm beliebt geworden, unter anderem dank zahlloser Fotos und Videos im Internet, die diesen niedlichen, fuchsähnlichen Hund mit dem typischen Lächeln zeigen. Doch hinter diesem freundlichen Äußeren verbirgt sich ein Hund mit einer ausgeprägten Persönlichkeit. Wer sich einen Shiba Inu ins Haus holt, sollte wissen, dass dieser Hund alles andere als ein folgsamer Mitläufer ist.
Ursprung eines unabhängigen Charakters
Der Shiba Inu stammt von alten japanischen Jagdhunden ab, die jahrhundertelang selbstständig in bergigem Gelände arbeiten mussten, um kleine Beutetiere wie Vögel und Kaninchen zu fangen. Diese Abstammung hat dem Hund ein starkes Gefühl der Unabhängigkeit mitgegeben. Im Gegensatz zu Hunden, die für die enge Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet wurden, musste der Shiba Inu oft aus eigener Initiative Entscheidungen treffen. Das erklärt zu einem großen Teil, warum dieser Hund auch heute noch so eigensinnig sein kann.
Intelligent, aber nicht immer entgegenkommend
Shiba Inus sind sehr intelligent, aber diese Intelligenz setzen sie nicht automatisch ein, um Ihnen als Besitzer eine Freude zu machen. Dieser Hund denkt lieber selbst und wägt ab, ob sich ein Kommando lohnt. Das macht die Erziehung zu einer besonderen Herausforderung: Ständige Wiederholung und harte Korrekturen wirken kontraproduktiv, während positives, konsequentes Training mit viel Abwechslung gut ankommt.
- Reagiert am besten auf kurze, abwechslungsreiche Trainingseinheiten
- Langweilt sich schnell bei endloser Wiederholung derselben Übung
- Kann auf Zwang oder Strafe stur reagieren
- Ist empfindlich gegenüber dem Ton und der Energie seines Besitzers
- Erledigt Dinge lieber in seinem eigenen Tempo als auf Kommando
Bei der Erziehung eines Shiba Inu geht es nicht darum, Befehle zu erteilen, sondern darum, eine Beziehung aufzubauen, in der auch der Hund selbst durch die Zusammenarbeit etwas gewinnt.
Erfahrener Shiba-Inu-Besitzer
Der berühmte „Shiba-Schrei“
Wer einen Shiba Inu zu Hause hat, kennt zweifellos den sogenannten „Shiba-Schrei“ (Shiba Scream): ein durchdringendes, fast menschlich klingendes Geräusch, das der Hund von sich geben kann, wenn er mit etwas nicht einverstanden ist, zum Beispiel beim Krallenschneiden oder wenn er irgendwo nicht hinwill. Dieses Geräusch ist kein Zeichen von Aggression oder Schmerz, sondern ein deutlicher Ausdruck von Protest. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie ausdrucksstark und eigensinnig dieser Hund sein kann, wenn seine Wünsche übergangen werden.
Unabhängig, aber loyal
Trotz ihres unabhängigen Wesens hängen Shiba Inus durchaus an ihrer Familie. Sie zeigen ihre Zuneigung allerdings auf ihre eigene Art: weniger anhänglich als zum Beispiel ein Labrador, aber treu und manchmal überraschend beschützend. Viele Besitzer beschreiben es als „katzenhaftes“ Verhalten: Der Hund kommt zu seinen eigenen Bedingungen zum Kuscheln und zieht sich genauso leicht wieder zurück.
Sozialverhalten gegenüber anderen Hunden und Menschen
Shiba Inus können sich anderen Hunden gegenüber manchmal etwas zurückhaltend oder sogar forsch verhalten, vor allem wenn sie nicht gut und früh sozialisiert wurden. Frühe, positive Begegnungen mit anderen Hunden, Menschen und Situationen sind daher unerlässlich, um einen ausgeglichenen erwachsenen Hund zu bekommen. Ohne gute Sozialisierung kann der Eigensinn in neuen Situationen in Misstrauen oder Unkontrollierbarkeit umschlagen.
Umgang mit dem Eigensinn
Das A und O für eine gute Bindung zu einem Shiba Inu sind Geduld und Konsequenz. Dieser Hund braucht keinen Besitzer, der den Boss spielt, sondern jemanden, der auf ruhige, vorhersehbare Weise klare Grenzen setzt. Belohnungen in Form von Leckerlis, Spiel oder Aufmerksamkeit wirken oft besser als verbale Korrekturen. Auch geistige Herausforderungen wie Suchspiele oder Denkspiele helfen, den wachen Verstand dieses Hundes auf positive Weise anzuregen.
Wer einen Hund mit Charakter liebt und keinen folgsamen Schoßhund sucht, findet im Shiba Inu einen faszinierenden Begleiter. Es ist eine Rasse, die sich durch ihren eigenen Willen Respekt verschafft und die man als gleichberechtigten Partner statt als gehorsamen Mitläufer kennenlernt.